Efgani Dönmez und die Brüste

Dienstag, 16. Dezember 2008

Also ich habs mir jetzt sehr lange überlegt, ob ich wirklich einen politischen Kommentar in diesem Blog abgeben sollte, aber momentan juckts mich gewaltig...

Efgani Dönmetz, grüner Bundesrat, hat letzten Montag im Interview mit der Tageszeitung Standard vor allem ein bisserl über seine Ansichten zum Thema Asyl-/Fremden-/Bleiberecht geplaudert. Am Ende des Interviews beantwortete er dann noch die folgende Frage:

Standard: Ihre künftige Parteichefin ortete jüngst in einem Zeitungsinterview bei den Grünen "einen Haufen Machos". Beleidigt?

Dönmez (lacht): Wenn man darunter versteht, dass man als Grüner eine klare Linie hat und eine Richtung vorgibt, bin ich ein Macho. Warum soll man als Mann nicht auch mal ordentlich auf den Tisch hauen? Aber die Frauen in unserer Partei sind auf jeden Fall alle hoch engagiert und qualifiziert. Brüste zu haben reicht bei den Grünen nicht als Qualifikation.

Ok, vielleicht ist diese Antwort ein bisserl ungeschickt, vermutlich wäre es gescheiter gewesen den letzten Satz anders zu formulieren. Aber ist dieser Satz wirklich sexistisch? Tritt Dönmez damit wirklich, wie Alev Korun, Nationalratsabgeordnete der Grünen, wörtlich sagt, "den jahrelangen Kampf der Grünen in der Frauenpolitik mit Füssen"?

Ich denke nicht.

Sexistisch wäre es, wenn ein Personalchef bei einem Bewerbungsgespräch zu einer Berwerberin sagen würde dass ihre Brüste nicht genug Qualifikation für den Job sind. Aber dieser Satz am Ende des Interviews drückt doch eher aus, dass bei den Grünen eben nicht nur wegen Quoten so viele erfolgreiche Frauen gibt, sondern (Dönmaz' Meinung, nicht meine), weil diese eben "hoch engagiert und qualifiziert" sind.

Korun (wie Dönmez gebürtige Türkin) schießt sich da selber ins Knie. In einer für die Grünen schon sehr heißen und gefährlichen Phase, gießt sie noch Öl ins Feuer und trägt den Streit in die Öffentlichkeit und damit in die Medien. Natürlich ist es ihr gutes basisdemokratisch-grünes Recht ihre Meinung laut kundzutun, aber sehr intelligent ist das nicht...

G'scheiter wäre wohl gewesen (voausgesetzt der Sager stört sie wirklich und es ist nicht nur Ichbinauchnochda-Geschrei), sich mit Dönmez zu treffen und das zuerst einmal persönlich zu klären und wenn er sich nicht überzeugen lässt kann man ja noch immer offene Briefe schreiben...

Oder sie hätte sich anders profilieren können, mit einem offenen Brief, in dem sie sagt "Ja, es gibt wirklich so viele Frauen bei den Grünen, weil jede von ihnen einfach gut in ihrem Job ist. Aber der Dönmez muss noch lernen dass man uns 'Frauen' nennt und nicht 'Menschen mit Brüsten'."

Irgendwie tuts weh, den Grünen beim öffentlichen Selbstmord zuzusehen...

Ja, er hat den Satz nicht sehr weise vormuliert, aber wer noch nie jemanden als "schwanzgesteuert" bezeichnet hat, werfe den ersten Stein :-)


Nachtrag: Maria Vassilakou verstand das anscheinend richtig: "Er führt uns damit vor Augen, wie gut es ist, dass bei uns viele erfahrene, besonnene Frauen wichtige Mandate bekleiden."

Komisch dass sich noch keine männlichen Grünen zu Wort gemeldet haben...
Feig...?